Anne Frank und ihre
Familie lebten zwischen 1942 und '44
versteckt vor den Nazis in einem
Hinterhaus in Amsterdam. Über diese Zeit
schrieb sie alles in ihr Tagebuch.
So hat ihre Stimme den Krieg überlebt .  |
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September
1942 schreibt sie:
Gleich
am ersten Tag haben wir Vorhänge
genäht. Mit Reißnägeln wurden
damit die Fenster zugehängt, um
vor Ablauf unserer Untertauchzeit
nie mehr herunterzukommen. Wir
müssen sehr leise gehen und
sprechen, denn im Haus dürfen
sie uns nicht hören. Wir müssen
hier sitzen, bis der Krieg vorbei
ist. Besuch können wir nur von
unseren Helfern bekommen. Jedes
Auto, das anhält und nicht
vorbeifährt weckt in uns die
Angst , abgeholt und erschossen
zu werden. In
einer außergewöhnlichen
Theaterperformance wird die Ge-
schichte dieses
lebensbedrohlichen, extrem
eingeschränkten Daseins erzählt.
Mit Objekttheater, Schauspiel, Videoprojektionen und Livemusik
schaffen wir assoziative Bilder zu
Texten aus Annes Tagebuch, sowie
Texten von Rudolf Höß, dem
Leiter des KZ Auschwitz u.a. Wir
stellen die Frage, wie es sich
wohl anfühlen muss, jahrelang
versteckt und in Angst zu leben.
Und wir stellen die Frage nach
den Tätern; danach, wozu ein
Mensch fähig ist in außergewöhnlichen
Zeiten, und welche Bedingungen es
dafür braucht. Wir zeigen mit
dem Stück, wie sich die
zunehmende Einschränkung des
Lebensraumes - bis hin zur
Vernichtung, am Einzelschicksal
vollzieht. Es soll
dem Zuschauer eine sinnliche
Erfahrung dieses dunklen
Teils deutscher Vergangenheit
vermitteln.
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November
1943
Die Stimmung im Haus ist bleiern.
Draußen hört man keinen Vogel, eine tödliche
Stille zieht mich in die Tiefe. Ich irre
von einem Zimmer zum anderen. Ich fühle
mich wie ein Vogel, dem die Flügel mit
harter Hand ausgerissen wurden und der in
vollkommener Dunkelheit gegen die Stäbe
seines engen Käfigs schlägt.
3.
Mai 1944
Oft wird hier verzweifelt gefragt:
"Wofür nützt nun dieser Krieg?
Warum muss alles verwüstet werden?"...
Ich glaube nicht, dass der Krieg nur von
den Großen gemacht wird. Nein, der
kleine Mann ist ebenso dafür. Sonst hätten
sich die Völker schon längst dagegen
erhoben! Im Menschen ist ein Drang zur
Vernichtung, zum Totschlagen, und Morden,
und solange die Menschheit keine
Metamorphose durchläuft, wird alles, was
gebaut und gewachsen ist, wieder
abgeschnitten und vernichtet.
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