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BERLINER MORGENPOST Vom Leben ausgesperrt .
Anne Frank - verstecktes Leben . im Fliegenden Theater 9.11.03 . |
Dunkel ist es im Theaterraum. Aber viel Helligkeit verträgt die Inszenierung auch nicht, die das Fliegende Theater auf die Bühne bringt. Unter dem Titel "Anne
Frank - verstecktes Leben" beleuchtet es das Schicksal des jüdischen Mädchens und ihrer Familie, die zwei Jahre versteckt in einem Amsterdamer Hinterhaus lebten. Was für ein Leben? Immer in
Angst, entdeckt zu werden. Ausgesperrt vom eigentlichen Leben. Auf drei Ebenen stellt das Fliegende Theater dieses als Tagebuch überlieferte, tragisch endende Schicksal dar. Rudolf
Schmid erzählt, singt und spielt mit Figuren und Objekten. Darunter sind Szenen, bei denen es den Zuschauern die Kehle zuschnürt. So versinnbildlicht Schmid den Massenmord an KZ-Häftlingen
mit gesichtslosen, hageren Skulpturen, die er mit dem Lineal ungerührt über die Tischkante schiebt und in die Tiefe stürzen lässt. Die Enge des Verstecks, in der sich Anne wie ein flügelloser
Vogel fühlt, verdeutlicht eine Gliederpuppe, die sich windend immer wieder an die Stäbe eines Käfigs stößt. Doch es gibt auch Glücksmomente: So tanzt Anne - als Puppe
beschwingt von der ersten Liebe im Ballettrock umher, und genießt mit Peter das Aquarellblau des Himmels.
Gernot Hoffmann sorgt an der Technik für bildstarke Video- und Overheadprojektionen.
Soldatenaufmärsche, Fliegerangriffe oder das Bild eines tanzenden Jungen aus einem
Ghetto zeigen das Leben außerhalb des Versteckes der Familie Frank. Mit Geige und Klavier begleitet Ulrich Wirwoll die un-gewöhnliche Performance (Regie: Edelgard
Hansen)
Dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte, das Leiden der Opfer, aber auch ihre bis zuletzt bewahrte Hoffnung: Eindrucksvoller lässt sich das Thema, wie schon bei den Proben
sichtbar wurde, auf der Bühne kaum darstellen. Adrienne Kömmler
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Theaterkritiken aus Berlin und Potsdam von Dr. Joachim Kramarz
"Ausgangsbeschränkung für Juden" Anne Frank - verstecktes Leben. - 9. November 03 |

Zum 9. November macht das Fliegende Theater einen Sprung von den sonst hier üblichen Kinderstücken zu einer Theaterperformance mit Objekten, Projektionen und einem
Musiker" und schildert das Leben der Anne Frank in der Gefangenschaft. Zwei Jahre hat das Mädchen mit seiner Familie in der Prinsengracht in Amsterdam im Versteck vor den deutschen
Truppen und Polizisten gelebt.
Ist das ein Thema für Puppentheater? Rudolf Schmid beweist das sehr eindringlich. Er fungiert als Erzähler und Spieler gleichermaßen. Er beginnt mit Zitaten aus dem
Tagebuch der Anne Frank, die dann später von einer weiblichen Stimme übernommen werden. Er zitiert Nazi-Erlasse und zum Schluss die Todesfuge von Celan, er benutzt kleine Puppen in bürgerlicher
Kleidung und etwas größere Puppen mit ausgemergelten Körpern, er projiziert Filme aus Nazi-Aufmärschen und Filme mit Judenzusammentreibungen. Er projiziert Flugzeugangriffe und lässt
einen Rudolf Höß über Befehlszwänge sprechen. Und immer wieder kommt die Stimme der Anne Frank auf, die von einem schüchternen
Optimismus beseelt ist.
Mit einer Schere wird eine jüdische Gestalt amputiert, mit einem Lineal werden die Figuren in die Liquidation gestoßen, in einem Geländer muss eine gesichtlose Puppe tanzen, mit Sand wird ein
Leichenhaufen überschüttet. Das ist manchmal der Demonstration des Bösen etwas zu viel. Aber der Ernst, mit dem Rudolf Schmid das alles spielt, vermittelt die Zeitgeschichte, von der wir uns
bis heute nicht befreit haben. Besser als hier in diesem kleinen Theater gibt es das große Thema in Berlin nirgendwo anders.

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