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fliegendes theater

Tourneestücke Ein Haus erzählt Pressestimmen

Aus dem Sonderheft zur IKARUS-Nominierung 2008

Ein Haus erzählt
Eine kleine Stadtgeschichte von Rudolf Schmid

"Wieso hast du dein Haus eigentlich unter der Autobahn gebaut?", fragt Felix seinen Opa. „Weißt du, das Haus war schon lange vor der Autobahn da", fängt dieser an und erzählt die Geschichte seines Hauses. Auf einer Zeitreise in die Vergangenheit erfährt Felix die Geschichte von seinem Urgroßvater, der in dem Haus eine Erfinderwerkstatt hatte und vom Fliegen träumte. Gebannt verfolgen die Zuschauer gemeinsam mit Felix die ersten Flugversuche von Uropas fantastischen Geräten. Sie lernen einen Tüftler kennen, der nicht locker lässt und schließlich sein erstes funktionierendes Flugzeug baut. Sie lernen die Bewohner der einst kleinen Stadt kennen, die dem Erfinder begeistert zujubeln und sie sehen, wie seine Erfindung im Zweiten Weltkrieg Furcht und Zerstörung bringt. Nach dem Krieg wird die zerstörte Stadt vollständig neu aufgebaut und mit einem Mal gerät Urgroßvaters Haus, das längst schon an Opa und Oma übergegangen ist, unter die Autobahn. Doch da soll und kann es nicht bleiben. Ein modernes Fluggerät, ein Hubschrauber, bringt zu guter Letzt das Häuschen auf eine grüne Wiese. Und hier hat Opa Hofmann nur noch ein Problem: Soll er sich jetzt lieber Schafe halten oder doch besser Hühner züchten?

Auf einer 4 Meter langen Werkbank ist eine moderne Großstadt aufgebaut: Wohnhäuser, Bürotürme, Fabriken, eine Schule und mitten drin, eingezwängt unter der Stadtautobahn, das kleine Häuschen von Opa Hofmann.
Gleich zu Beginn erwacht die Stadt zu regem Leben: Autos brausen durch die Kulisse, Flugzeuge und Hubschrauber kreisen über den Hochhäusern, Felix hüpft fröhlich aus der Schule und macht sich auf den Weg zu Opas Häuschen.
In „Ein Haus erzählt" spielen alle Objekte ihre eigene Rolle. Während Felix' Opa die Geschichte seines Hauses erzählt, kommt die ganze Miniatur-Landschaft in Bewegung. Autobahnbrücken verschwinden, Häuser verwandeln sich zurück in ihre ursprüngliche Form und nach und nach baut sich vor den Augen des Zuschauers die Kleinstadt auf, in der zu Beginn des letzten Jahrhunderts der Erfinder Franz Hofmann gelebt hat.
Man beobachtet, wie die Erfolgsgeschichte des Tüftlers in der kleinen Stadt ihre Spuren hinterlässt. Angefangen von der eigenartigen Versuchskonstruktion auf dem Dach des Hauses, über den Bau der Flugzeugfabrik, die als Symbol für den technischen Fortschritt bejubelt wird, bis zu den bitteren Konsequenzen, die der Krieg über die Stadt bringt. Wieder sind es Flugzeuge, die nun aber Zerstörung und Zweifel hinterlassen. Was bleibt übrig als neu zu beginnen?
So landen die Trümmer der Gebäude von der Werkbank in einer großen Kiste. Die Stadt wird neu gebaut: Moderner, größer, und im Lauf der Zeit immer gigantischer. Opa Hofmanns Haus gerät als letzter Rest der alten Zeit in die Klemme. Zumindest vorübergehend, denn schließlich ist es wieder die Flugtechnik, die dem alten Haus zu neuem Platz verhilft.
„Ein Haus erzählt" berichtet lebendig und dicht über hundert Jahre Stadtgeschichte. Dabei vermittelt das virtuose Spiel mit den Objekten einen besonders poetischen Eindruck vom „Wandel der Zeit". Livemusik und Geräusche machen die Inszenierung zu einem üppigen Klangerlebnis und eine verspielt witzige Trickanimation ergänzt sie mit einer zusätzlichen Erzählebene.

Aus der Begründung der Jury
Schöne neue, moderne Stadt! Wie ein bekanntes Dorf gegen die Römer, trotzt unter der Stadtautobahn Großvaters Häuschen der wuchernden Stadt. „Aber wie war es vorher?", fragt der Enkel. Und Opa erzählt.
Mit wenigen Handgriffen verwandelt sich die Stadt zurück zum Dorf. Im Zeitzeugenstil wird über die Geschichte des Hauses, die Familiengeschichte und die Geschichte der Stadt erzählt. Über mehrere Generationen wird das Schicksal des Hauses und der Familie geschildert und mit ihnen die Geschichte Deutschlands. Über Kaiser, Diktatur, Verfolgung, Krieg, Zerstörung und wirtschaftswunder-autogläubigem Wiederaufbau spannt sich der Bogen bis ins Heute. Das Puppen- und Objekttheater, gestützt mit filmischen Rückprojektionen, spürt den historischen Gründen nach, die zu unserer heutigen Lebensweise und zum Aussehen der Stadt führten. Der Vergleich mit Berlin liegt nahe.
Überlagerte Erzählebenen und die Bereitschaft, im Kindertheater sowohl die hellen als auch die ganz finsteren Zeiten unserer Geschichte zu zeigen, machen die Inszenierung außergewöhnlich.

Empfehlung für Lehrer/innen
Alter: ab 8 Jahre
Dauer: 60 Minuten
Fächer: Deutsch, Geografie, Sachunterricht, politische Bildung, Musik, Naturwissenschaften
Themen: Freundschaft und Austausch zwischen den Generationen, Lebensentwürfe, Geschichten erzählen und mit Klängen illustrieren, Spiel mit Objekten, Technik begreifen, Veränderung des Lebensraumes, Zeit und Geschichte verstehen
Theaterpädagogische Angebote:
Nachgespräch nach der Vorstellung


Stand: impressum