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Aus
dem Sonderheft zur IKARUS – Nominierung des JugendKulturService 2009 Ein
König
lebt mit sieben Söhnen und einer Tochter auf seinem Schloss und wäre
nach dem Tod seiner Frau gerne wieder verheiratet. Als er eines Tages
auf dem Pferd einer Hirschkuh nachjagt, entdeckt er eine Frau, die
mitten im Wald in einem See badet. Es ist wohl Liebe auf den ersten
Blick, denn er nimmt sie gleich mit auf sein Schloss und zur Gemahlin.
Seine Kinder versteckt er vor ihr in einem Turm, zu dem man den Weg
nur mit Zauberei finden kann. Doch seine neue Frau wird misstrauisch
und fragt sich, was ihr Gatte ständig im Wald zu suchen hat.
Eifersüchtig quetscht sie die Dienstmagd über das Geheimnis
aus und näht
schwarze Zauberhemdchen. Hinterlistig verschafft sie sich Zutritt
zu dem Turm, wirft den überraschten Söhnen die Hemden über und verwandelt
sie in Raben, die auch gleich alle davonfliegen. Nur das Mädchen wird
von der bösen Stiefmutter übersehen und so bleibt es von dem Zauber
verschont. Als der König beim nächsten Besuch nur seine Tochter vorfindet,
erzählt sie ihm das Geschehene und bittet, noch eine Nacht alleine
im Turm bleiben zu dürfen. Doch in dieser Nacht steckt sie einen Ring
von ihrem Vater ein und geht, um ihre Brüder zu finden, bis ans Ende
der Welt. Sie fragt die Sonne, doch diese spricht in Rätseln, der
Mond möchte sie nur in die dunkle Nacht locken, aber die Sterne erzählen,
dass ihre Brüder in einem Glasberg leben. Dort angekommen, gelangt
sie mit drei Blutstropfen aus ihrem Finger in den geheimnisvollen
Berg, in welchem ein Zwerg haust, der einen Tisch mit sieben Tellerchen
und Becherchen deckt. Sie legt den Ring des Vaters in ein Becherchen
und als die Raben, die zum Essen geflogen kommen, ihn finden tritt
das
Schwesterchen hervor. Der Fluch ist gebrochen, die Raben werden
wieder zu den menschlichen Brüdern, die sie vorher waren. Alle sind
glücklich und die Geschwister singen und tanzen vor Freude. Auf
einer reduzierten Bühne, die im Grunde nur aus drei verschieden großen
Stühlen vor einer Projektionsleinwand besteht, spielt und erzählt
eine Puppenspielerin das Märchen “Die sieben Raben”. Mehr braucht
es bei dieser Inszenierung nicht, denn die Erzählung, das Puppenspiel
und die Schattenprojektionen entwickeln eine beeindruckende und überraschende
Märchenwelt, die aber genügend Raum für eigene Fantasie und Vorstellungskraft
lässt. Der Musiker, der auch für Geräusche zuständig ist, mischt sich
an etwas erklärungsbedürftigen Stellen in die Erzählung ein und provoziert
überleitende und
erklärende Dialoge mit der Märchenerzählerin. Eine lebendige
Erzählweise, außergewöhnliche Puppenspiel- und Projektionsideen ziehen
das Publikum bis zum heiteren Ende in seinen Bann. Aus
der Begründung der Jury Über
die Abenteuer der Figuren werden im Märchen grundlegende Ängste und
Freuden, sowie das Verhältnis von Gut und Böse verhandelt. Oft besitzen
die Protagonisten übernatürliche, teils magische Fähigkeiten. In alter
Märchenerzählertradition hat das Fliegende Theater Elemente
der zwei verwandten Zaubermärchen
“Die sieben Raben” und “Die sechs Schwäne” zu einer neuen Variante
verschmolzen und als Figuren- und Schattenspiel inszeniert. Abstrakter
Kerninhalt ist die schwierige Situation von Kindern in einer so genannten
Patchwork-Familie, die unversehens unter dem neuen Elternteil leiden.
Und es geht auch um den Mut der Schwester, die keine Gefahren scheut,
um ihre geliebten Brüder von dem bösen Zauber zu erlösen und die Geschwister
wieder zu vereinen. Erzählen und Spielen werden in der Inszenierung
zu einer Einheit. Wo die reduzierte Bühne nicht mehr auszureichen
scheint, wird sie durch animierte Schattenprojektionen kongenial ergänzt.
Die live gespielte musikalische Begleitung folgt zurückhaltend und
unterstützend der Handlung. Die ideenreiche, an optischen Überraschungen
vielfältige Inszenierung bewahrt jedoch eine gewisse
Zurückhaltung, die dadurch umso mehr das junge Publikum in
seiner
Vorstellungskraft fordert und fesselt.
Empfehlung
für Lehrer/innen |
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