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fliegendes theater

Tourneestücke Rumpelstilzchen Pressestimmen

Theaterforum Gauting:
Süddeutsche Zeitung 15.03.2005

Rumpelstilzchens letztes Geheimnis
Märchenstunde mit kleinen Überraschungen

Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass das Rumpelstilzchen noch einen Geheimnamen hat. Sonst wäre das Märchen, das Rudolf Schmid und sein Fliegendes Theater Berlin am Sonntagnachmittag im TheaterSpielRaum dem Publikum zeigten, allzu rasch zu Ende gewesen. Denn kaum grübelte die arme Müllerstochter nach dem Namen ihres Helferleins, tönte es schon aus dem Zuschauersaal mit hellen Stimmen: "Der heißt Rumpelstilzchen! Ich hab' das auf Video. « Und wenn es einer auf Video hat, muss es ja stimmen.
"Jetzt holen wir den", erklärte Schmid und tröstete die Müllerstochter, inzwischen Königin und Mutter, "ist doch 'ne supereinfaehe Nummer." Bald kam also das hässliche Wesen und brach, als die Müllerstochter seinen Namen nannte, in höllisches Gelächter aus: "Habt ihr geglaubt, dass ich so blöd bin? Ich könnt' mich kugeln.“ Schließlich ist Rumpelstilzchen doch längts ein Star, und seinen Namen gibt's auch auf CD. Aber den Geheimnamen, den kannte bis dato niemand, und so muss die Müllerstochter, wie's im Märchen steht, erst den Diener ausschicken, der im Publikum ein paar Namen erfragt, und als der Geheimname eben nicht Max, Quirin oder Julius lautet, sich selber auf den Weg machen. Doch bald schon entdeckt sie das Feuer, um das ein bucklicht Männlein tanzt und singt: "Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich..."
Von Anfang an spielt Rudolf Schmid mit offenen Karten, stellt zunächst sein Puppenensemble vor (mit Ausnahme des Titelhelden), bleibt selber stets sichtbar hinter den von ihm gebauten Tischpuppen. Die sind wahrhaft lustig anzuschauen, der halslose dicke Müller mit dem linkisch zur Seite geneigten Riesenkopf, der Doppelkinnkönig mit dem Schlurfschritt, die ratlos dünne Müllerstochter und der eitle, leicht dümmliche Prinz ("Den soll die Müllerstochter später toll finden.").Doch trotz Transparenz im Spiel entsteht der Zauber des Märchens, einfach durch das liebe- und humorvolle Spiel, das vielmehr ein Erzählen ist - eben so, wie es sich für ein Märchen gehört. Da stört auch der Einsatz von Technik nicht wirklich, schließlich muss es, wenn das Rumpelstizchen Stroh zu Gold spinnt, ein wenig blitzen und flackern. Noch schöner ist es natürlich, wenn Schmid selber die kleine Ziehharmonika spielt. Doch die Ballmusik am Ende kommt schlicht vom Grammophon, und das ist auch recht.
Und wie lautet nun der Name, den das Rumpelstilzehen im Geheimen führt und dessen Nennung es derart entsetzt, dass es sich tatsächlich mitten entzwei reißt? Nun, darüber sollte man den Mantel des Schweigens hüllen, denn es gilt: Ach wie gut, dass es noch Geheimnisse gibt. Von ihnen lebt nämlich (nicht nur) das Kindertheater. SABINE ZAPLIN




 

Süddeutsche Zeitung 6.4.04
Spritzige Nacherzählung
"Rumpelstilzchen" im Kinderleierkasten
Dachau - Einmaleins und Rechtschreibung, flöten, Klavier üben, Gedichte rezitieren - die Kindheit zu Zeiten der Gebrüder Grimm unter-scheidet sich da kaum von der heutiger Computer-Kids. Wie damals gibt es Eltern, die ihre angeblichen Wunder-Sprösslinge allzu gerne präsentieren. Wohin das führen kann, zeigte Rudolf Schmid vom Fliegenden Theater Berlin am Freitag im Kinder-leierkasten in einer spritzig-überraschenden Inszenierung des Märchenklassikers "Rumpelstilzehen".
Aus einer großen Tasche holt der Erzähler und Figurenspieler die Puppen, die mit ihren ausdrucksstarken Gesichtern, ihrer charakter-istischen Körperhaltung die Kinder gleich in den Bann ziehen. Gespielt wird auf einem hölzernen Tisch, eine wurmstichige Eichentruhe als "Schatz-kammer des Königs" vervollständigt das Bühnen-bild. Die Inszenierung des bekannten Stücks begeistert durch die witzigen Dialoge, die herrliche Über-Zeichnung der Figuren. Herrlich auch, wie Schmid mit ein paar Handgriffen die biedere Müllerstochter in eine passable Prinzessin verwandelt, schaurig-schön wie das eifrige Rumpelstilzchen als strickumhangtra-gender Winzling aus dem Nichts auftaucht. Und weil selbst die spritzigste Nacherzählung einer bekannten Geschichte am Ende langweilig werden könnte, überrascht der Berliner Puppenspieler am Ende sein Publikum noch einmal. Die Kinder rufen der Prinzessin siegesgewiss den Namen des Männleins zu: "Rumpelstilzchen". Doch das lacht nur boshaft: "Ich bin doch nicht blöd! Den Namen kennt doch inzwischen Hinz und Kunz. Ich hab mich umbenannt". Nach kurzer Revolte suchen alle eifrig den neuen Namen. Zuletzt nimmt natürlich alles ein gutes Ende, und die Kinder tanzen mit Prinz und Prinzessin auf dern Hochzeitsball.
PETRA SCHAFFLIK

 

Stand: 25.12.2004 impressum