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Landsberger Tagblatt 23.3.07  

Die reine Freude des Erinnerns

Fliegendes Theater aus Berlin zeigt "Post für den Tiger"

Tiger, Bär, Hasen und viele andere Tiere gaben sich im Stadttheater Landsberg ein Stelldichein zu der bekannten Janosch-Geschichte "Post für den Tiger". Das Fliegende Theater brachte die Inszenierung von Edelgard Hansen und Rudolf Schmid auf die Bühne und versetzte Kinder wie Erwachsene in Verzückung. Denn alles war genau so, wie man es aus dem beliebten Kinderbuch kennt.

Die reine Freude des Wiedersehens herrschte schon von Anfang an, als erst einmal eine kleine Maus auf der Tigerente ritt und allerhand Schabernack mit ihr trieb. Mit einfachen Mitteln waren die kleinen Zu­schauer sofort in den Bann des Bühnengeschehens gezogen. Dann hatten Tiger und Bär ihren Auftritt, die Puppen sind liebevoll den Zeichnungen von Janosch nachempfunden. Alles stimmt - die Möbel, die Tapete, und auch die Geschichte bleibt genau am Buch. Und obwohl die meisten kleinen und großen Zuschauer diese genau kennen dürf­ten, wird es doch wieder spannend, das Ganze auf der Bühne zu erleben. Besonders, wenn manche Figuren so lustig dargestellt sind wie die schnatternde Frau Gans oder der herum­ hetzende "Hase mit den schnellen Schuhen"! Quietschvergnügt verfolgt das junge Publikum auch den Fischfang des Bären, denn der Fisch schwimmt mitten auf der Bühne herum. Dass er von Edelgard Hansen geführt wird, nimmt man gar nicht wahr.

Richtige Briefe

Schön gemalte Kulissenwände geben den Hintergrund ab, ob es nun das Haus von Tiger und Bär ist, das Flussufer oder der Wald, wo der Tiger Pilze sammelt. Weil sich Tiger und Bär immer Briefe schreiben, entsteht die Post und überall werden Briefkästen auf­gehängt. Die Briefträger-Truppe, alles "Hasen mit den schnellen Schuhen", hetzen hin und her und verinnerlichen ihr Firmencredo "schnell sein, nix verlieren, und nix lesen!" Dabei sprechen alle Hasen ein originelles Oberbayerisch, das kann Rudolf Schmid gut, obwohl er in Berlin lebt. Und dann kommt er sogar als "echter" Hasenbriefträger herunter von der Bühne und bringt den anwesenden Kindergarten und Schulgruppen Briefe. Da staunen die Kinder nicht schlecht.

Schließlich erfinden Tiger und Bär auch noch das Gartenschlauch-Telefon, und als der Tiger ein Fest geben will, kann er beim Bäcker Bröselmeier telefonisch Kuchen bestellen. Den Bäcker darf ein Kind aus dem Publikum spielen, und es erfüllt die Aufgabe großartig. Man kann auch genau verfolgen, wie das mit der Gesprächsvermittlung funktioniert: Durch eine trickreiche Schattenspiel-Technik wird sichtbar, wie die Maulwürfe ein Röhrensystem im Boden graben und mithilfe von Stöpseln Kanäle öffnen oder schließen. Tiger und Bär können sich glücklich schätzen und räkeln sich gemütlich auf dem original Janosch-Sofa, das viele bewundernde Ausrufe erntet.
Und dann feiern sie ausgelassen, tanzen und springen, und reißen das Publikum so mit, dass die Kinder eine Zugabe fordern und auch bekommen: Die schnellen Hasen legen auch noch einen Tanz aufs Parkett.

Das Fliegende Theater hat eine hinreißende Inszenierung auf die Beine gestellt - angefangen von den originalgetreu nachempfundenen Figuren über das kindgerechte Spiel bis zur aktiven Einbeziehung der kleinen Zuschauer. Während der gesamten Aufführung behielten die Darsteller den Kontakt zum Publikum, ob groß oder klein, so dass auch Erwachsene in einen niveauvollen Puppentheater-Genuss kamen .

   

Bärbel Knill


Stand: 25.12.2004

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