Die reine Freude des Erinnerns
Fliegendes Theater aus Berlin
zeigt "Post für den Tiger"
Tiger, Bär, Hasen und viele
andere Tiere gaben sich im Stadttheater
Landsberg ein Stelldichein zu der
bekannten Janosch-Geschichte "Post für
den Tiger". Das Fliegende Theater
brachte die Inszenierung von Edelgard
Hansen und Rudolf Schmid auf die Bühne
und versetzte Kinder wie Erwachsene in
Verzückung. Denn alles war genau so, wie
man es aus dem beliebten Kinderbuch kennt.
Die
reine Freude des Wiedersehens herrschte
schon von Anfang an, als erst einmal eine
kleine Maus auf der Tigerente ritt und
allerhand Schabernack mit ihr trieb. Mit
einfachen Mitteln waren die kleinen Zuschauer
sofort in den Bann des Bühnengeschehens
gezogen. Dann hatten Tiger und Bär ihren
Auftritt, die Puppen sind liebevoll den Zeichnungen von
Janosch nachempfunden. Alles stimmt - die
Möbel, die Tapete, und auch die
Geschichte bleibt genau am Buch. Und
obwohl die meisten kleinen und großen
Zuschauer diese genau kennen dürften,
wird es doch wieder spannend, das Ganze
auf der Bühne zu erleben. Besonders,
wenn manche Figuren so lustig dargestellt
sind wie die schnatternde Frau Gans oder
der herum hetzende "Hase mit den
schnellen Schuhen"! Quietschvergnügt
verfolgt das junge Publikum auch den
Fischfang des Bären, denn der Fisch
schwimmt mitten auf der Bühne herum.
Dass er von Edelgard Hansen geführt
wird, nimmt man gar nicht wahr.
Richtige
Briefe
Schön
gemalte Kulissenwände geben den
Hintergrund ab, ob es nun das Haus von
Tiger und Bär ist, das Flussufer oder
der Wald, wo der Tiger Pilze sammelt.
Weil sich Tiger und Bär immer Briefe
schreiben, entsteht die Post und überall
werden Briefkästen aufgehängt. Die
Briefträger-Truppe, alles "Hasen
mit den schnellen Schuhen", hetzen
hin und her und verinnerlichen ihr Firmencredo "schnell sein, nix
verlieren, und nix lesen!" Dabei
sprechen alle Hasen ein originelles
Oberbayerisch, das kann Rudolf Schmid
gut, obwohl er in Berlin lebt. Und dann
kommt er sogar als "echter"
Hasenbriefträger herunter von der Bühne
und bringt den anwesenden Kindergarten
und Schulgruppen Briefe. Da staunen die
Kinder nicht schlecht.
Schließlich
erfinden Tiger und Bär auch noch das
Gartenschlauch-Telefon, und als der Tiger
ein Fest geben will, kann er beim Bäcker
Bröselmeier telefonisch Kuchen bestellen.
Den Bäcker darf ein Kind aus dem
Publikum spielen, und es erfüllt die
Aufgabe großartig. Man kann auch genau
verfolgen, wie das mit der Gesprächsvermittlung
funktioniert: Durch eine trickreiche
Schattenspiel-Technik wird sichtbar, wie
die Maulwürfe ein Röhrensystem im Boden
graben und mithilfe von Stöpseln Kanäle
öffnen oder schließen. Tiger und Bär können
sich glücklich schätzen und räkeln
sich gemütlich auf dem original Janosch-Sofa,
das viele bewundernde Ausrufe erntet.
Und dann feiern sie ausgelassen, tanzen
und springen, und reißen das Publikum so
mit, dass die Kinder eine Zugabe fordern
und auch bekommen: Die schnellen Hasen
legen auch noch einen Tanz aufs Parkett.
Das
Fliegende Theater hat eine hinreißende
Inszenierung auf die Beine gestellt -
angefangen von den originalgetreu
nachempfundenen Figuren über das
kindgerechte Spiel bis zur aktiven
Einbeziehung der kleinen Zuschauer. Während
der gesamten Aufführung behielten die
Darsteller den Kontakt zum Publikum, ob
groß oder klein, so dass auch Erwachsene
in einen niveauvollen Puppentheater-Genuss
kamen .
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